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WALDSCHULE BISSINGEN |
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74321 Bietigheim-Bissingen *
Panoramastr.2 Tel: (07142) 7790-60 * Fax: (07142) 7790-99 Internet: www.waldschule-bissingen.de E-Mail: sekretariat(at)waldschule-bissingen.de |
An der Waldschule Bietigheim-Bissingen hat zu Beginn des Schuljahres 2002/2003 das zweijährige Pilotprojekt »Qualitätsverbesserungsprozess« begonnen. Die Schule soll Qualitätsstandards erarbeiten, um zentrale Bereiche bewerten zu können, und kontinuierliche Prozesse einer schulinternen Qualitätsverbesserung einleiten. Unterstützung dafür findet die Schule bei lokalen Wirtschaftsunternehmen. Die Waldschule nimmt als eine von sechs Schulen in der Region Bietigheim-Bissingen an dem bundesweit einmaligen Projekt teil. Den Anstoß dafür gaben Kultusministerin Annette Schavan und der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Dieter Hundt.

Testlauf für die Bildungspläne
»Dies ist ein Instrument, um zu überprüfen, in welchen Bereichen die
Strukturveränderungen innerhalb der Schule erfolgreich sind, und wo noch Mängel
bestehen «, beschreibt Schulleiter Günther Baumgärtner die Vorteile des
Qualitätsverbesserungsprozesses. Auch in anderen Bereichen der
Strukturveränderungen ist die Waldschule, eine Grund- und Hauptschule mit 438
Schülerinnen und Schülern, Vorreiter. Schon seit einem Jahr gibt es in der
Hauptschule die neuen Fächerverbünde. Damit wird ein wichtiges Element der neuen
Bildungspläne erprobt, die ab dem Jahre 2004 in Baden-Württemberg eingeführt
werden. Die Kernfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Religion werden weiter
eigenständig unterrichtet. Die anderen Fächer sind zu Fächerverbünden
zusammengefasst, wie es sie zusammen mit den Kontingentstundentafeln künftig an
allen Grund- und Hauptschulen geben wird. Aus Biologie, Chemie und Physik wurde
an der Waldschule Materie-Natur-Technik, aus Geschichte, Gemeinschaftskunde,
Erdkunde und Wirtschaftslehre das Fach Welt-Zeit- Gesellschaft. Die Fächer
Hauswirtschaft/ Textiles Werken und Wirtschaftslehre wurden in
Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit zusammengefasst, Musik, Bildende
Kunst und
Neigungssport in Musik-Sport-Gestalten. Jedes Fach erhält bestimmte
Zeitkontingente zugewiesen, über deren Verteilung die Lehrkräfte entscheiden.
Auf das Elbhochwasser kann so im Fach Welt- Zeit-Gesellschaft mit einer
intensiven Betrachtung der Problematik reagiert werden: In den nächsten Wochen
liegt der Schwerpunkt auf Geschichte oder Gemeinschaftskunde. Dies alles
ermöglicht ein problem- und projektbezogenes Lernen. Die Schülerinnen und
Schüler wissen diese neuen Strukturen zu schätzen. »Sie sind deutlich
engagierter beim Unterricht, können sich stärker einbringen, und haben so öfter
wichtige Erfolgserlebnisse«, hat eine Lehrerin beobachtet. Für das Kollegium
bedeutet das eine Umstellung und mehr Arbeitsaufwand. »Wir wollen diese neuen
Strukturen nicht mehr missen«, ist trotzdem der Grundtenor unter der
Lehrerschaft. Für die Schülerinnen und Schüler ist eine Schule mit mehr Anreizen
entstanden, die ihnen so mehr Chancen auf einen besseren Schulabschluss bietet.
Dies lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Wurden in der Hauptschule sonst
zwischen 10 und 15 Schülerinnen und Schüler jährlich nicht versetzt, waren es im
vergangenen Schuljahr noch sechs Schülerinnen und Schüler.
Flexibler Unterricht
»Diese guten Erfahrungen haben dazu geführt, dass seit diesem Jahr auch in
der Grundschule ein Fächerverbund etabliert wurde«, erklärt Schulleiter Günter
Baumgärtner. Die Fächer Sachunterricht, Musik und Kunst wurden in Natur und
Kultur zusammengefasst. So kann auch in der Grundschule flexibel unterrichtet
werden. Im Herbst basteln die Schülerinnen und Schüler mit Blättern oder
erforschen den Ökoraum Wald. »Darauf können sie sich voll konzentrieren, sich
auch mal zwei Wochen mit einem Projekt beschäftigen«, erzählt ein Lehrer. Vor
Weihnachten werden dann Lieder einstudiert. »Diese Unterrichtsstruktur kommt den
Kindern entgegen. Sie müssen nicht ständig umschalten, sondern können sich auf
eine Sache konzentrieren. Darüber bleibt mehr Zeit, Ideen der Schülerinnen und
Schüler in den Unterricht einzubringen«, beschreibt eine andere Lehrerin die
Vorteile des neuen Faches.
Gleichzeitig mit der strukturellen Veränderung des
Unterrichts ist auch der Schultag verändert worden. In der Hauptschule ist die
Waldschule eine Ganztagesschule geworden, und auch in der Grundschule gibt es
die Möglichkeit einer siebenstündigen Betreuung täglich. Der Schultag gliedert
sich in ein Zehn-Stunden-Raster mit zweistündiger Tagesrhythmisierung. 48
Schulstunden sind es so in der Woche, wovon 35 Schulstunden verpflichtend und 13
Stunden freiwillig sind. Die meisten Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot
der Ganztagesschule. Jeden Tag bis mittags um 16.20 Uhr sind die Pflichtstunden.
Unterbrochen wird der Unterricht durch die Mittagspause, die mit einem breiten
Angebot für die Schülerinnen und Schüler verbunden ist. Neben dem Universalraum,
der Sporthalle und den Lernwerkstätten gibt es Räume, die jeweils nur für
Mädchen oder Jungen bestimmt sind. Auch in der Schule essen können die
Schülerinnen und Schüler. Selbst lokale Vereine sind engagiert. Ein Mitglied des
Schachklubs weiht Schülerinnen und Schüler der Grundschule in die Strategie des
Spiels ein.
Konflikte selbst lösen

Fabian Obergföll, Journalist
aus:
Magazin Schule 9/03, S. 26-27| |
Letzte Bearbeitung der Seite am: 12.08.2005