WALDSCHULE BISSINGEN
Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule

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Eine Schule macht sich fit für die Zukunft.

An der Waldschule Bietigheim-Bissingen hat zu Beginn des Schuljahres 2002/2003 das zweijährige Pilotprojekt »Qualitätsverbesserungsprozess« begonnen. Die Schule soll Qualitätsstandards erarbeiten, um zentrale Bereiche bewerten zu können, und kontinuierliche Prozesse einer schulinternen Qualitätsverbesserung einleiten. Unterstützung dafür findet die Schule bei lokalen Wirtschaftsunternehmen. Die Waldschule nimmt als eine von sechs Schulen in der Region Bietigheim-Bissingen an dem bundesweit einmaligen Projekt teil. Den Anstoß dafür gaben Kultusministerin Annette Schavan und der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Dieter Hundt.

»Die Bereitschaft der Wirtschaft zur Zusammenarbeit ist sehr groß«, sagt Schulleiter Günter Baumgärtner. Der »Qualitätsverbesserungsprozess « soll es den Schulen ermöglichen, anhand eines rund 200 Fragen umfassenden Kataloges, der als CD-ROM zur Verfügung steht, zentrale Bereiche wie Unterricht, Schulmanagement, Lehrkräfte, außerunterrichtliche Aktivitäten und allgemeine Erziehungsziele zu überprüfen. Ziel ist es, auf der Grundlage der Bewertung der Ergebnisse durch die Schule, zielgerichtete Qualitätsverbesserungsprozesse zu planen und zu verwirklichen. Der Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen wird dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit Hilfe der CD-ROM gemessen. Die Unternehmen stellen in Workshops ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit Qualitätsverantwortungsprozessen zur Verfügung, so etwa zu Fragen des Qualitäts- und Personalmanagements oder des Controllings. Noch ist das Projekt in der Anfangsphase. Im November 2002 erst haben sich die zuständigen Schulgremien konstituiert. »Innerhalb der Lehrerschaft gibt es unterschiedliche Meinungen«, erläutert Günter Baumgärtner die momentane Stimmung. »Ich gehe aber von einem Erfolg dieses Pilotprojektes aus.« Auch vor externen Überprüfungen der Qualitätsstandards hat der Schulleiter keine Angst. »Man muss bei Vergleichen aber immer den sozialen Kontext der jeweiligen Schulen sehen«, gibt er zu bedenken. »Auch kann das Instrument nur wirklich nützlich sein, wenn es flexibel den jeweiligen Gegebenheiten angepasst wird.« Dies ist in der Projektskizze so vorgesehen. Zielvereinbarungen und Qualitätsstandards sollen während der zweijährigen Projektphase vor Ort definiert werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Testlauf für die Bildungspläne

»Dies ist ein Instrument, um zu überprüfen, in welchen Bereichen die Strukturveränderungen innerhalb der Schule erfolgreich sind, und wo noch Mängel bestehen «, beschreibt Schulleiter Günther Baumgärtner die Vorteile des Qualitätsverbesserungsprozesses. Auch in anderen Bereichen der Strukturveränderungen ist die Waldschule, eine Grund- und Hauptschule mit 438 Schülerinnen und Schülern, Vorreiter. Schon seit einem Jahr gibt es in der Hauptschule die neuen Fächerverbünde. Damit wird ein wichtiges Element der neuen Bildungspläne erprobt, die ab dem Jahre 2004 in Baden-Württemberg eingeführt werden. Die Kernfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Religion werden weiter eigenständig unterrichtet. Die anderen Fächer sind zu Fächerverbünden zusammengefasst, wie es sie zusammen mit den Kontingentstundentafeln künftig an allen Grund- und Hauptschulen geben wird. Aus Biologie, Chemie und Physik wurde an der Waldschule Materie-Natur-Technik, aus Geschichte, Gemeinschaftskunde, Erdkunde und Wirtschaftslehre das Fach Welt-Zeit- Gesellschaft. Die Fächer Hauswirtschaft/ Textiles Werken und Wirtschaftslehre wurden in Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit zusammengefasst, Musik, Bildende Kunst und Neigungssport in Musik-Sport-Gestalten. Jedes Fach erhält bestimmte Zeitkontingente zugewiesen, über deren Verteilung die Lehrkräfte entscheiden. Auf das Elbhochwasser kann so im Fach Welt- Zeit-Gesellschaft mit einer intensiven Betrachtung der Problematik reagiert werden: In den nächsten Wochen liegt der Schwerpunkt auf Geschichte oder Gemeinschaftskunde. Dies alles ermöglicht ein problem- und projektbezogenes Lernen. Die Schülerinnen und Schüler wissen diese neuen Strukturen zu schätzen. »Sie sind deutlich engagierter beim Unterricht, können sich stärker einbringen, und haben so öfter wichtige Erfolgserlebnisse«, hat eine Lehrerin beobachtet. Für das Kollegium bedeutet das eine Umstellung und mehr Arbeitsaufwand. »Wir wollen diese neuen Strukturen nicht mehr missen«, ist trotzdem der Grundtenor unter der Lehrerschaft. Für die Schülerinnen und Schüler ist eine Schule mit mehr Anreizen entstanden, die ihnen so mehr Chancen auf einen besseren Schulabschluss bietet. Dies lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Wurden in der Hauptschule sonst zwischen 10 und 15 Schülerinnen und Schüler jährlich nicht versetzt, waren es im vergangenen Schuljahr noch sechs Schülerinnen und Schüler.

Flexibler Unterricht

»Diese guten Erfahrungen haben dazu geführt, dass seit diesem Jahr auch in der Grundschule ein Fächerverbund etabliert wurde«, erklärt Schulleiter Günter Baumgärtner. Die Fächer Sachunterricht, Musik und Kunst wurden in Natur und Kultur zusammengefasst. So kann auch in der Grundschule flexibel unterrichtet werden. Im Herbst basteln die Schülerinnen und Schüler mit Blättern oder erforschen den Ökoraum Wald. »Darauf können sie sich voll konzentrieren, sich auch mal zwei Wochen mit einem Projekt beschäftigen«, erzählt ein Lehrer. Vor Weihnachten werden dann Lieder einstudiert. »Diese Unterrichtsstruktur kommt den Kindern entgegen. Sie müssen nicht ständig umschalten, sondern können sich auf eine Sache konzentrieren. Darüber bleibt mehr Zeit, Ideen der Schülerinnen und Schüler in den Unterricht einzubringen«, beschreibt eine andere Lehrerin die Vorteile des neuen Faches. Gleichzeitig mit der strukturellen Veränderung des Unterrichts ist auch der Schultag verändert worden. In der Hauptschule ist die Waldschule eine Ganztagesschule geworden, und auch in der Grundschule gibt es die Möglichkeit einer siebenstündigen Betreuung täglich. Der Schultag gliedert sich in ein Zehn-Stunden-Raster mit zweistündiger Tagesrhythmisierung. 48 Schulstunden sind es so in der Woche, wovon 35 Schulstunden verpflichtend und 13 Stunden freiwillig sind. Die meisten Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot der Ganztagesschule. Jeden Tag bis mittags um 16.20 Uhr sind die Pflichtstunden. Unterbrochen wird der Unterricht durch die Mittagspause, die mit einem breiten Angebot für die Schülerinnen und Schüler verbunden ist. Neben dem Universalraum, der Sporthalle und den Lernwerkstätten gibt es Räume, die jeweils nur für Mädchen oder Jungen bestimmt sind. Auch in der Schule essen können die Schülerinnen und Schüler. Selbst lokale Vereine sind engagiert. Ein Mitglied des Schachklubs weiht Schülerinnen und Schüler der Grundschule in die Strategie des Spiels ein.

Konflikte selbst lösen

Zusätzlich zu dem neuen Schulrhythmus, der ohne Gong auskommt, gibt es auch komplett neue Fächer. Im Pflichtfach »Selbstorganisiertes Lernen« müssen die Schülerinnen und Schüler ihnen zugewiesene Aufgaben zeitlich und arbeitstechnisch selbstständig erledigen. In den Klassengemeinschaftsstunden soll Gemeinschaftssinn gestärkt und soziale Kompetenz erlernt werden. »Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler Probleme innerhalb der Klassen selbstständig lösen«, erklärt Günter Baumgärtner. Die Schülerinnen und Schüler der Waldschule stimmen dem zu. »Durch die neuen Fächer macht der Unterricht mehr Spaß«, sagen viele von ihnen.

Fabian Obergföll, Journalist

aus: Magazin Schule 9/03, S. 26-27
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Letzte Bearbeitung der Seite am: 12.08.2005