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WALDSCHULE BISSINGEN |
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Bevor's knallt - erst mal drüber reden
(san).
Was tun, wenn's in der Klasse Streit gibt? Sei es zwischen zwei einzelnen
Schülern oder gar zwischen ganzen Gruppen. Sofort mit jedem Problem den
Klassenlehrer zu behelligen, wird nicht immer gern gesehen, und die lautstarke
Schulhofprügelei ist mit Sicherheit auch keine sinnvolle Lösung. Friedlicher
lassen sich Auseinandersetzungen im Klassenrat lösen.
Wie ein solcher Rat funktioniert, haben die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler
der Bietigheim-Bissinger Waldschule vergangene Woche im Rahmen der kreisweiten
Jugendwoche gelernt. Martin Böttger, Schulsozialarbeiter und ausgebildeter Mediator aus Ludwigsburg, kam eigens am Donnerstagvormittag in die Bissinger
Schule, um die erste Sitzung zu leiten. Denn ein erwachsener Leiter oder
Moderator sollte dabei sein, wenn der Klassenrat tagt. Außerdem hat er stets
Vetorecht. Und einige weitere feste Regeln zählt Martin Böttger auf:
"Man hört den anderen zu.
Man lässt die anderen ausreden.
Es wird niemand beleidigt oder verletzt.
Und es wird über niemanden geredet, der nicht anwesend ist."
Reden darf jeder, der sich zuvor in das Klassenratsbuch eingetragen hat. "Wichtig ist, dass nur der Name, aber nicht das Anliegen eingeschrieben wird", erklärte Martin Böttger, der mit dem Klassenratprojekt bisher immer gute Erfahrungen gemacht hat. Um den Schülern zu zeigen, dass jeder ein Problem aus einem anderen Blickwinkel sieht, warf er einen großen Würfel in den Stuhlkreis. "Wir waren uns schnell einig, dass alle einen Würfel sehen", erzählte er. "Aber natürlich zeigt dieser für die Schüler auf der einen Seite die sechs, während die auf der anderen Seite die eins sehen."
Hin und wieder wird Martin Böttger nun an der Waldschule vorbei schauen, doch ansonsten werden die beiden Klassenräte mit den jeweiligen Klassenlehrern weiter geführt. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", haben sie bemerkt. "Viele der vorgetragenen Probleme haben wir in dieser Sitzung zum ersten Mal gehört", sagte Renate Horlacher. Und ihr Kollege Martin Hettler erklärte: "Manche Schüler meinen, sie streiten 'zum Spaß' und merken nicht, dass sie andere damit verletzen. Es ist gut, wenn die ein Forum haben, in dem sie das zur Sprache bringen können." Auch Schulsozialarbeiterin Ulrike Bauer hat bemerkt: "Die Schüler sind froh, loswerden zu können, was sie beschäftigt." Bevor's knallt Dass gerade die fünften Klassen an diesem Projekt teilnehmen, hat seinen Grund: "Die Fünftklässler kamen in diesem Schuljahr neu zusammen und kannten sich vorher teilweise noch nicht. Sie haben noch kein zu festgefahrenes Klassensystem." Und schließlich soll der Klassenrat eingreifen, bevor es zur Eskalation kommt, nicht umsonst heißt das Projekt "Bevor's knallt".
(Bietigheimer Zeitung vom: 29.10.2003)
Hier finden Sie den Original-Zeitungsartikel:
Letzte Bearbeitung der Seite am: 17.12.2006