WALDSCHULE BISSINGEN
Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule

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           Projekt MSG-Musik Schuljahr 2001/02 mit Klassenstufe 7-9

CD-Einlage und CD-Cover

Klangbearbeitung, Arrangieren und Mastern von MIDI- und Wave-Files bis zur Produktion eines Videoclips

Video (5: 38 min) - Bearbeitung des Songs "Wonderful Dreams" (Melanie Thornton):

Video anschauen: hohe Qualität (105 MB) Video anschauen: niedrige Qualität (8 MB)

Im Rahmen des Fächerverbundes MSG-Musik (Musik-Sport-Gestalten) wird an der GHWRS Waldschule Bietigheim-Bissingen seit dem Schuljahr 2001/02 ein neuer Weg im Musikunterricht beschritten.

Im Fächerverbund MSG können Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 wählen, ob sie wöchentlich 2-stündig Musik, Bildende Kunst oder zusätzlich zum normalen Sportunterricht das Fach Neigungssport belegen wollen. Nach einem Jahr können sie sich neu entscheiden. Je nach Anzahl der Schüler werden mehrere, auch klassenübergreifende Gruppen gebildet.

Im Fach Musik wurde eine Gruppe aus beiden 7er-Klassen mit 9 Schülerinnen und Schülern, aus den insgesamt vier 8er- und 9er-Klassen eine Gruppe mit 17 Schülerinnen und Schülern gebildet. In beiden Gruppen wurde schwerpunktmäßig auf schuleigenen und Instrumenten der Schüler musiziert oder auch gesungen. Dabei konnten Schüler auch Musizierwünsche aus dem Bereich Pop-Musik äußern, die, wenn möglich, entsprechend umarrangiert oder als Playback realisiert wurden. Daneben konnten die Schülerinnen und Schüler an einem PC-Sequenzerprogrammen (Steinberg Cubasis VST 3 incl. WaveLabLite) an den Songs Veränderungen vornehmen.

 

Mit einem Sequenzerprogramm  wurden die Wave-Dateien...

...zurechtgeschnitten und der Rhythmus der Zwischenmusik  erarbeitet und gestaltet.

Zwischenmusik und   Coda  wurden selbst komponiert und live eingespielt...,

...was   sehr aufwendig und  übungsintensiv war.

Ohne Beratung ging es natürlich nicht immer, denn zum Playback zu musizieren...

 

...oder sauber zu singen ist gar nicht so einfach -  macht aber Superspaß.

Das Projekt mit dem Thema "Klangbearbeitung, Arrangieren und Mastern von MIDI- und Wave-Files bis zur Produktion eines Videoclips" wurde an beiden Gruppen parallel durchgeführt, konnte aber nur an der 8er/9er-Gruppe bis zum Abschluss des Videoclips gebracht werden. Die 7er waren doch etwas überfordert, aber trotzdem begeistert bei der Sache. Sie meldeten sich in diesem Schuljahr fast alle wieder zur MUK, so dass sie den "Neuen" beim jetzigen Projekt schon etwas zeigen können.

Das Projekt wurde in Kooperation begleitet von einem Fachmann aus dem örtlichen Musikgeschäft "Soundchip": Eugen Sagel. Er besitzt das notwendige Fachwissen aus dem Bereich der professionellen Musikproduktion, um den Schülern nicht nur das rein handwerkliche Umgehen mit den Schnittwerkzeugen, virtuellen Drummaschinen, Kopiertechniken, Videobearbeitung etc. zu vermitteln. Er ist auch der richtige Mann dafür, den Schülern am praktischen Beispiel der eigenen Arbeit am Projekt klar zu machen, wie die im professionellen Bereich üblichen technischen Manipulationen, um nicht zu sagen Betrügereien mit Stimmen und Effekten, letztlich vermarktet werden; aber auch welche Leistung und Mühe es kostet, einen professionellen Song oder Video-Clip zu produzieren, den man "mal eben so reinzieht".

Bewegung  kam auch nicht zu kurz, wie hier beim Kunstradfahren, wobei - wie bei...
 

 ...Profi-Clips auch -  etwas gemogelt wurde. (Dieser „Künstler“ ist nämlich kein Schüler)

Diese Breaker gehören aber zu den „Achtern“,
und...

...sie mussten sich tüchtig ins Zeug legen

 

.

Auch auf der örtlichen „Halfpipe“ wurde eifrig geübt, um...

...einen Projektbeitrag zu leisten.

 

Im Folgenden beziehe ich mich nur auf das Projekt der 8er/9er. Es soll keine detaillierte Projektbeschreibung sein, sondern nur in groben Zügen den Weg zeigen, wie der Videoclip entstanden ist.

Zunächst saßen wir zusammen (Herr Siemer als Projektleiter und Musiklehrer, Herr Sagel als PC-,Video- und Produktmanager und die 17 Schülerinnen und Schüler). Nach Vorstellung der Möglichkeiten einigte man sich darauf, den Song "Wonderful Dreams" (Melanie Thornton) zu bearbeiten, ihn mit Rhythmuselementen zu "würzen", eine Flöten- und eine Saxofonstimme in den Song zu integrieren, und ein Mädchen sollte als Playback zu dem Song singen. Da jeder irgendwie im Projekt einen aktiven Part zu übernehmen hatte, kamen die Schüler auf die Idee, auch Rap- und Inlinescating in den Clip einzubeziehen, denn Musizieren vor der Kamera trauten sich nur zwei. Alle Aktivitäten sollten von Anfang an phasenweise mit dem digitalen Camcoder der Schule (Sony DCR-TRV 30E PAL-1,55 Megapixel) aufgenommen und später zugemischt werden. Auch diese Aufgabe übernahm eine Schülergruppe. Das Rohmaterial von ca. 1,5 Std musste dann später zusammengeschnitten werden auf etwa 5 min! Allein das bedeutete eine Heidenarbeit und harte Entscheidungsnöte.

Real-Media-Video anschauenFür das Projekt standen ca 20 Doppelstunden zur Verfügung. Allerdings haben besonders begeisterte Schüler auch in vielen Mittagspause weiter an ihrem Part gebastelt oder haben ihre Sonderaufgaben wie Singen, Musizieren, Rappen, Videoschnitt etc. extra geübt. Herr Sagel war durchschnittlich jedes zweite Mal bei einer Projekt-Sequenz dabei. Er hatte die jeweils notwendigen Schritte auf CD vorbereitet und auf die 4 Musik-PCs kopiert, erklärte dann die Programme, führte Einzelschritte vor wie Rhythmus im MIDI-Bereich kreieren, in Audioformat zu konvertieren, Lautstärken anzugleichen, den Ausgangssong zu "zerschnippeln", Eigenes einzufügen, wieder zusammen zu kleben ...und...und...und . In der Folgesequenz ließ er dann die Schüler und den mitlernenden Musiklehrer ausprobieren und "wurschteln" und bei der nächsten gemeinsamen Sequenz wurde geglättet, gefachsimpelt und ergänzt, Stimmen und Instrumente mit Effekten manipuliert u.s.w. Die Tänzer mussten ihre Ergebnisse vorführen und die Inline-Scater hatten die "Halfpipe"-Ergebnisse im Video zu erläutern.

Der schwierigste Part waren die Auswahl und das Zusammenschneiden der einzelnen Ergebnisse mit dem Editierprogramm am PC ( DV.now 1.2 mit FAST.forward und Adobe Premiere). Ehrlich gesagt hat den Löwenanteil der vorliegenden Endfassung Herr Sagel selbst erledigt und mit Abstrichen der Musiklehrer, der auf dem Gebiet Videobearbeitung wie die Schülerinnen und Schüler auch Anfänger war. Aber im diesjährigen Projekt werden Musiklehrer und Schüler sicherlich noch selbstständiger damit arbeiten, sich noch intensiver untereinander absprechen und daher wesentlich effektiver mit dem Programm umgehen können.

Es kann festgestellt werden, dass diese Form von Musikunterricht für Hauptschüler zwischen 13 und 15 Jahren sehr motivierend, besonders handlungsorientiert und verantwortungsfördernd war. Die Schülerinnen und Schüler waren ausnahmslos bis zum Schluss interessiert und neugierig auf das eigene Endprodukt, das sie schließlich auf CD gebrannt oder als Videokopie bekommen konnten.

Das beschriebene Projekt war in dieser Form nur durch den Fächerverbund MUK möglich, an dem ausschließlich musikinteressierte Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Der Musikunterricht hatte dadurch und wegen der für die Hauptschulen relativ geringen Schülerzahl eine besondere Qualität. Leider blieb den Teilnehmern aber auch mindestens für ein Jahr lang der Bereich der Bildenden Kunst und zusätzlicher Sport im Pflichtunterricht versperrt. Umgekehrt blieb leider auch den mehrfach interessierten und begabten Schülerinnen und Schülern, die sich z.B. für zusätzlichen Sport entschieden haben, für mindestens ein Jahr lang der Musikunterricht verschlossen.

Insgesamt überwiegen nach meiner Meinung und bisherigen Erfahrung als Musiklehrer jedoch die Vorteile des neu eingeführten Fächerverbundes MUK, da auf diese Weise die Motivation, die Förderung der Kreativität sowie der individuellen Stärken, die Teamfähigkeit und nicht zuletzt die allgemeine Leistungsbereitschaft der Hauptschülerinnen und Hauptschüler merklich gesteigert werden kann.

Eine kleine juristische Grauzone stellte die Verwendung des Ausgangssongs dar, aber nach der notwendigen Rückkoppelung bei dem zuständigen CD-Verleger legte man uns bezüglich der Urheberrechte keine Steine in den Weg.

Gerold Siemer, Konrektor i.R.